Oberpfarrkirchhof 12


Ein Wohnhaus der Bediensteten des Chorherrenstifts St. Sylvestrie sehen wir hier am Oberpfarrkirchhof Nr. 12. Das Fundament passt das Haus an die Hanglage an.

Neben der außermittig gelegenen Haustür befinden sich zwei schmale Fenster, die den Hausflur erhellen sollen. Die Sprossenfenster rechts und links der Haustür besitzen Klappläden. Die Balkenköpfe sind als „Quedlinburger Balkenköpfe“ ausgeführt. In der zweiten Etage ist in jedem der zwölf Brüstungsfelder ein Andreaskreuz zu finden, was dem Haus trotz seiner geringen Höhe ein repräsentatives Aussehen gibt. Dieses Haus war gegen Ende des 18. Jahrhunderts die Dienstwohnung des Diakons namens Plessing.

Dessen Sohn war „wertherkrank“. Er hatte, wie so viele seiner Generation, Goethes „Leiden des jungen Werther“ gelesen, verinnerlichte die Handlung und war dadurch wahrscheinlich suizidgefährdet. Goethe selbst erhielt vom Sohn Plessings zwei umfangreiche Briefe zur Problematik des „Werther“, so dass Goethe sich genötigt sah bei einer seiner drei Harzreisen am 3. Dezember 1777 den Plessingsohn zu besuchen und mit ihm über den „Werther“ zu diskutieren.




Ehemalige Bewohner und Nutzungen des Hauses
1852 Diakonat Pastor Boeter

Besuch Goethes 2-3. Aug. 1777

1770 Superintendent Piessing

1680 neu erbaut im Quedlinburger Stil

1561 Erbenzins an Kapite St. Sylvestrie u. St. Georg

1560 Dietrich von Gadenstedt

1558 Barbier und Wundarzt Hans Illies und seine Ehefrau Walburg


Copyright ©2006-2017