Die Sylvestrikirche


Die heutige Sylvestrikirche deren Standort der "Klint" als Ursprungsort von Wernigerode gilt, hatte noch einen Vorläuferbau von dem aber nichts mehr in die Neuzeit übernommen ist. Diese war dem Heiligen Georg geweiht. Dieser volkstümliche Heilige, welcher auch zu den vierzehn Nothelfern zählt, wird als Ritter zu Pferde dargestellt, wie er im Begriff ist, einen Drachen oder auch Lindwurm zu töten. Er ist der Schutzpatron der Bauern, Bergleute, Pferde und Reiter sowie der Soldaten, Schmiede und Wanderer.

1265 wurde St. Georg in ein Benedektinerchorherrenstift umgewandelt das St. Silvestri geweiht war.
Der Neubau wurde im Stil der Romanik gebaut, wovon noch heute die mächtigen Pfeiler im Inneren der jetzigen Kirche zeugen. Da die Ortschaft aber weiterhin anwuchs, wurde die romanische Kirche abgerissen bis auf die Säulen im Mittelschiff. Dafür wurde eine kreuzförmige, dreischiffige Basilika im frühgotischen Stil errichtet. Nur das romanische Westwerk mit zwei Türmen blieb dem Bau bis 1727 erhalten.

Danach wurden die Türme abgerissen und stattdessen ein achtseitiger Turm in Fachwerkbauweise mit offener Laterne und barocker Haube errichtet. Der Innenraum bekam zu dieser Zeit ein Tonnengewölbe welches mit himmlischen Darstellungen ausgemalt war.

1869 wurde der barocke Turm abgerissen und durch einen neogotischen ersetzt, wie wir ihn heute sehen: Ein viereckiger, spitzer Turm mit Turmknauf rechts und links beflankt von zwei kleineren angesetzten Treppentürmen. Da das Dach der Basilika vom Mittelschiff bis über die Seitenschiffe reichte waren die Obergaden sinnlos geworden und wurden zugemauert. Nach der Rekonstruktion und des Neubaus der Seitenschiffe im 19.Jahrhundert wurden sie aufgebrochen und lassen seitdem wieder Licht in das Gotteshaus. Im Inneren wurde statt des barocken Tonnengewölbes eine hölzerne Flachdecke eingezogen.

Für den interessierten Besucher befinden sich im Innenraum der Kirche noch einige Kostbarkeiten. Am Eingang, in der Turmhalle sind senkrecht gestellt in die Wände zehn Epitaphien eingelassen.

Eines davon zeigt den Glaubensemigranten Balthasar Knauer, der zusammen mit seinen Eltern seines Glaubens wegen die österreichische Heimat verlassen musste. Dem Epitaphium ist ein Reliefporträt Martin Luthers aufgesetzt, wahrscheinlich das letzte authentische aus Luthers Leben. Als Vorlage diente eine Federzeichnung vom Lutherschüler Johann Wilhelm Reifenstein.

Die Kanzel, Johannes, Petrus, Paulus und Jakobus zeigend, wurde 1883 von dem ortsansässigen Holzbildhauer Gustav Kuntzsch, nach Vorlagen von Peter Vischer dem Älteren gearbeitet.


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