Der Westerntorturm


Als Wernigerode bis zum späten Mittelalter auf eine starke Stadtbefestigung angewiesen war, spätere Militärtechnik machte sie dann überflüssig, verfügte Wernigerode außer der starken Stadtmauer über dreißig Halbschalentürme von denen einige sogar bedeckt waren und über vier doppelt bewehrte Stadttore, von denen das einzige noch erhaltene das Westerntor ist.

Es wurde im frühgotischem Stil errichtet und befindet sich, wie der Name schon sagt im Westen der Stadt Die Verdopplung dieser Wehranlage ist leider nicht mehr zu erkennen, weil der westlich davor gelegene Bau Mitte des neunzehnten Jahrhunderts abgerissen wurde. Diese vor dem Tor gelegene Anlage hatte zweierlei Bedeutung. Erstens hatten die Gegner im Verteidigungsfalle doppeltes Hindernis zu überwinden um in die Stadt einzudringen und zum Zweiten konnten hier Handelsleute und andere seriöse Reisende die Nacht verbringen, wenn sie es nicht mehr geschafft hatten, die Stadt vor der Schließung der Stadttore zu erreichen.

Der Westerntorturm, wie er sich uns heute darstellt, wurde als Toranlage 1356, nach anderen Urkunden 1279 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Auf einem quadratischen Grundturm, welcher aus anstehendem Rogenstein errichtet wurde, erhebt sich eine achteckige Turmspitze bis zur einer Höhe von 38 m. Sie ist von vier, so genannten Turmhäuschen, quadratischen Grundrisses beflankt ist. Diese tragen ein spitzes Zeltdach, welche ebenso wie der große Hauptturm in vergoldeten Turmkapseln enden. Der Turm ist mit haltbarem Schiefer eingedeckt.

Warum der Turm nicht aus haltbarem Harzer Granit errichte wurde, erklärt sich aus der Tatsache, dass Granit, wegen seiner großen Härte zur damaligen Zeit noch nicht in solchen erforderlichen Mengen bezahlbar zu bearbeiten war. Unten im Turm befindet sich ein spitzbogenförmiger Durchlass von etwa vier Metern Höhe. Mit einer Leiter konnte der Türmer von hieraus seine Wohnung erreichen und im Gefahrenfall die Leiter nach oben ziehen.

Die Aufgabe des Türmers bestand darin, die Feuerwache über die städtischen Wälder zu übernehmen und bei drohender Kriegsgefahr die Bürger der Stadt durch Hornsignale zu warnen. Des Weiteren befand sich im Turm das so genannte "Bürgergehorsam", eine zweifenstrige Arreststube, in der Bürger wegen leichter Vergehen ihre Strafe absaßen.


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