Der Wohltäterbrunnen auf dem Markt


Auf dem historischen Marktplatz, der mit Harzer Granit gepflastert ist, was er in früheren Zeiten niemals war, steht seit 1848 der so genannte Wohltäterbrunnen. Er wurde errichtet, um Bürger zu ehren, die sich Verdienste für die Stadt erworben hatten. Der Brunnen wurde im neogotischen Stil in der Fürst-Stolberg-Hütte zu Ilsenburg von dem bekannten Metallurgen und Kunstgießer Eduard Schott in Grauguss aus dem "ersten Guss" gegossen. Das Verfahren aus dem "ersten Guss" wird heute nicht mehr praktiziert, weshalb auch die beiden Restaurierungen nach 1989 nicht zur vollsten Zufriedenheit gelungen sind.

Eduard Schott, der auch das "Kristallisationsverfahren" in der Gießerei entdeckt hat war ein begnadeter Kunsthandwerker. Er hat das Gießereiwesen derart verfeinert, dass er auf den Weltausstellungen in Paris 1855 und in Wien 1873 für die Ilsenburger Gusshütte werbewirksame Preise erringen konnte. Dafür wurde er mit dem "Preußischen Kronenorden Dritter Klasse" geehrt.

Der Wohltäterbrunnen besteht aus einer sechseckigen Wasserwanne aus der sich eine Säule erhebt, die in einer von gotischen Sakralbauten bekannten, sog. Fiale endet. Direkt unter der Fiale ist ein gusseiserner Kranz mit drei wasserspeienden Löwenköpfen zu sehen. Zwischen den Wasserspeiern sind je drei Wappenschilde zu sehen mit den Namen adliger Personen der Stadt und des Grafen- b.z.w. Fürstenhauses. Am bekanntesten sind die Namen von Graf Henrich, der bahnbrechende Neuerungen im Gießereiwesen einführte und Otto von Stolberg-Wernigerode, der als Vizekanzler unter Bismarck die heute noch gültige Sozialgesetzgebung verfasst hat.

In dem Kranz darunter sind die Wappenschilde bürgerlicher Wohltäter der Stadt eingearbeitet.
Erwähnenswert ist der wohlhabende Kaufmann Heinrich Christoph Hertzer, dieser hatte einen Teil seines Guthabens und seine Autorität dafür eingesetzt, dass Wernigerode ein neues erweiterungsfähiges Krankenhaus auf dem Waldhof am Rande der Stadt bekam.

Auch der volkstümliche Schriftsteller und Pädagoge August Wilhelm Grube, der in Wernigerode geboren wurde und sein Vermögen seiner Heimatstadt vermachte wurde hier mit einem Wappenschild geehrt.

Das letzte Wappenschild wurde 1991 zum Gedenken an Oberst Petri, im Beisein seines Sohnes angebracht. Er gilt als Retter von Wernigerode. Der Harz wurde zum Ende des zweiten Weltkrieges zur Festung erklärt. Oberst Petri bekam den Befehl, Wernigerode zu verteidigen und unter anderem die Zillierbachtalsperre zu sprengen. Er verweigerte den Befehl mit dem Verweis auf die Sinnlosigkeit solch eines Vorhabens, da der Krieg ja bald zu Ende wäre. Dafür wurde er mit sieben weiteren Kameraden in der Nähe des Bahnhofs Drei-Annen-Hohne standrechtlich erschossen.


Copyright ©2006-2017