Marktplatz 5, der "Weiße Hirsch"


Direkt gegenüber unserem historischen Rathaus sehen wir das renommierte Hotel "Weißer Hirsch".

Das Haus wird zum ersten Mal 1456 urkundlich erwähnt, und zwar als einem Hans Koppel gehörig. Durch seine direkte Lage am Marktplatz haben hier immer gesellschaftlich höher gestellte Bürger gewohnt, unter anderem die Bürgermeister Fronsberg und Hannemann.

Relativ früh wird dann eine "Weihsbäckerei" (Konditorei) in diesem Hause erwähnt und zwar im Jahre 1746. 1761 jedoch findet sich zum ersten mal ein Gastwirt Johann Georg Pfeifer in den Annalen der Stadt.

Gastwirtschaft, Weißbäckerei und die Wohnungen in diesem Hause wurden aber parallel betrieben, denn einen bedeutenden Fremdenverkehr gab es zu jener Zeit noch nicht, was nicht ausschließt, das auch Reisende hier übernachten konnten.

Das Haus in seiner heutigen Form ist eher in der Epoche um 1650 anzusiedeln. Über zwei Jahrhunderte existierten hier Bäckerei und Gastwirtschaft einträchtig zusammen. 1830 tauchte das erste Mal der Name "Weißer Hirsch" als Bezeichnung für die Gastwirtschaft auf. Das Haus wurde vom Gastwirt und Musikus Christian Benjamin Schaefer und seiner Ehefrau Friederike Sophie geb. Albrecht geführt, der das Haus vom Oekonomen Heinrich Gottlieb Georg Dieck übernommen hatte.

Aber schon 1832 übernahm der Müllermeister Heinrich Pitsch dieses Anwesen. 1839 wurde die geschiedene Ehefrau Henriette Eylers als Betreiberin genannt. Das einst um ein Drittel kleinere Haus erhielt durch den Neubau nach dem Stadtbrand 1847 die heutige Größe.

Erst 1864 übernahm der Gastwirt Julius Fricke das Haus und es scheint, bedingt durch den einsetzenden Fremdenverkehr und den wirtschaftlichen Aufschwung in der Gründerzeit, zu dieser Zeit lohnenswerter gewesen zu sein, dieses Haus zu betreiben. 1872 bekam Wernigerode auch einen Anschluss an das Schienennetz der deutschen Reichsbahn und war daher noch leichter für die Urlauber zu erreichen. Die Familie Fricke betrieb das Haus, welches jetzt gleichermaßen Hotel und Gaststätte war, bis weit in die DDR-Zeit hinein bis es von der staatlichen HO übernommen wurde.

Über die Sommeraufenthalte Theodor Fontanes 1878-1881 in Wernigerode schreibt die Tochter Martha 1880: "Ich erinnere mich der Wernigeröder Sonntagnachmittage vor dem Weißen Hirsch, kam Papa, war ich im Moment versetzt in eine reiche Welt des Interessanten, Komischen und selbst Erfreulichen."

Das Haus hatte an der Nordseite einen Wintergarten, der aber dem Bombenangriff vom Februar 1945 zum Opfer fiel und nicht wieder aufgebaut wurde.

Das zweistöckige Haus ist in Fachwerkbauweise ausgeführt. Über der Eingangstür befindet sich ein kleiner Balkon.
Im Jahre 1967 erfolgte ein umfassender Umbau des Hauses und es erfolgte der Einbau einer "Nachtbar" mit dem Eingang von der Seite. Nach 1989 wurde das Hotel wieder privatisiert und wird heute in einem Hotelverbund geführt.




Ehemalige Bewohner und Nutzungen des Hauses
1893 Gasthofbesitzer Moritz Fricke

1850 Oberkellner jetzt Gastwirt Julius Fricke aus Ilsenburg Wilhelm Schäfer *15.4.1827

1864 Gastwirt Julius Fricke / vorher Pächter Bäckermeister Heinr. Meyer

1839 Die geschiedene Ehefrau Henriette geb. Schmidt des Beckers Heinrich Eylers

1832 Müllermstr Heinrich Pitsch

1831 Bäcker Heinrich Eilers

1830 Weihser Hirsch

1830 Gastwirt Musikus Christian Benjamin Schaefer †1.11.1835 und
        dessen Ehefrau Friederike Sophie geb. Albrecht *1793

1830 Oekonom Heinrich Gottlieb Georg Dieck

1816 Bäckermstr. Heinrich Friedr. Christian Hagen und
        dessen Ehefrau Catharine geb. Meyenberg

1812 (leeres Wohnhaus)

1793 Gastwirt Johann Georg Conrad Dieck aus Derenburg † Jan. 1830 und
        dessen Ehefrau Marie Catharine geb. Sattler

        Kinder:
        1) Joh. Christ. Friedrich
        2) Gottlieb Ludwig
        3) Friedr. Christian

1785 Gastwirt Frantz Just Jakob Lehmann und
        dessen Ehefrau Johanne Christiane Margareht geb. Pfeifer †vor 1793

1780 Lehmannsche Gasthof

1767 Bäckermeister Friedrich Hage und
        dessen Ehefrau Dorothee Luise Hedwig geb. Hasseberg / einzige Tochter

1761 Gastwirt Joh. Georg Pfeifer (noch 1781) und
        dessen Ehefrau Anne Elisabeth geb. Büchting

1759 Mstr. Joh. Heinr. Hassebergs und dessen Ehefrau Anne Dorothee geb. Blattermann

1746 Weihsbeckermstr. Joh. Friedrich Blattermann *25.Aug.1731 St. Syl. und
        dessen Schwester Anne Elisabeth Blattermann
        Christoph Blattermann und dessen II. Ehefrau Susanne Maria geb. Rungen

        Kinder I. Ehe:
        1) Joh. Friedrich *25.8.1731
        2) Anne Elisabeth

1700 Joh. Friedrich Finke

1677 Thomas Schmidt
        Hans Heinrich Ritter

1677 Bürgermeister Michael Hannemann

1677 Thomas Schmidt

1666 Christoph Placotong *24.11.1644 Konigsberg und dessen Ehefrau
        Herr Michael Hannemann
        Hans Heinrich Ritter und dessen Ehefrau Dietrich Haken`s Tochter
        Dietrich Haken

1656 Glaser Martin Grote - vor 1656
        David Höfling

1656 Dietrich Hake

1636 Bürgermeister Fronsbergs Erben

1612 Martin Fronsberg *1607

1456 Hans Koppel


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